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Achtung, auf dieser Seite befinden sich Fotos von toten oder verletzten Personen. Bei entsprechenden Empfindlichkeiten des Betrachters sollte diese Seite nicht angeschaut werden.

Die zerfetzte Leiche der Katharina Esser

Die Vorgeschichte

Köln, 6. März 1945. Es ist gegen ungefähr 11.00 Uhr, als die vorrückenden amerikanischen Truppen sich von der Subbelrather Straße über die Gladbacher Straße kommend dem Kaiser-Wilhelm-Ring und damit dem inneren Stadtbereich nähern. Auf der Gladbacher Straße stehend können sie bereits über den Kaiser-Wilhelm-Ring zur Christophstraße (weißer Pfeil) und zur Kirche St. Gereon (schwarzer Pfeil) hinüber schauen

Im Bereich der Christophstraße steht zu diesem Zeitpunkt ein deutscher Panzer IV und schießt in Richtung der vorrückenden Amerikaner. Dieser deutsche Panzer sollte, nachdem er erst am Morgen von der anderen Rheinseite über die Hohenzollernbrücke gekommen war, eigentlich zum Güterbahnhof Gereon fahren. Jedoch steht er nun schon hier, kurz vor seinem eigentlichen Ziel, den einrückenden Amerikanern gegenüber.

Die Amerikaner schießen ebenfalls zur deutschen Seite und insbesondere dem deutschen Panzer hinüber. Besonders beteiligt ist dabei ein Panzer vom Typ Pershing, dessen 19 Jahre alter Schütze ein junger Mann namens Clarence Smoyer ist.


Der mit den Truppen vorrückende Panzer vom Typ Pershing. Als noch recht neues Panzermodell steht er im Mittelpunkt des Interesses der mit den Truppen vorrückenden Kameraleute. Im Fall der Einheiten auf der Gladbacher Straße sind das die Filmkameraleute Jim Bates und Leon Rosenmann. Sie werden im weiteren Verlauf des Tages noch die Filmaufnahmen des berühmten Panzerduells am Dom erstellen.

Einer der beiden benutzt das Teleobjektiv seiner Kamera und filmt die noch in deutscher Hand befindliche Seite in Nahaufnahme. Auf den in dieser Situation entstehenden Filmbildern sieht man an einem Auto, welches in der gegenüber liegenden Christophstraße, also auf - noch - deutscher Seite steht, eine Person. Diese befindet sich an der Seite, vermutlich an der leicht geöffneten Beifahrertür des Autos und schließt diese am Ende der kurzen Szene. Möglicherweise war dieser Wagen zuvor im Laufe der Gefechte beschossen und getroffen worden (was man im den Filmbildern jedoch nicht sieht) und will diese Person nun im Auto befindlichen Insassen helfen oder ist sogar selber Insasse gewesen und dann ausgestiegen - die Tür auf der anderen Seite - vermutlich die Fahrertür - steht weit auf. Nun schaut die Person also möglicherweise nach einem eventuell vorhandenen Insassen. Die Person schließt jedoch die Tür. Mit einer Videobearbeitungssoftware vergrößere und bearbeite ich einen Ausschnitt aus dem ursprünglichen Filmbild. Das erstellte kurze Video kann nachfolgend aufgerufen werden:

Video-Popup:
Bearbeiteter Filmausschnitt: der Mann am Auto - ursprünglicher Filmausschnitt entnommen aus der DVD "Köln 1945 Nahaufnahmen"

Eine später aufgenommene Nahaufnahme dieses Wagens, zeigt, warum der Mann wohl wieder die Türe schließt.

Bildquelle: John Florea - LIFE Photo Collection
Dem Fahrer des Wagens ist nicht mehr zu helfen, er liegt tot auf dem Fahrersitz.

Das Fahrzeug war offensichtlich, wie das auf einem anderen Bild erkennbare Kennzeichen verrät, aus dem Bereich Dresden gekommen :

Die ersten beiden Stellen "II" stehen für diese regionale Zuordnung. Es ist danach auch kein militärisches sondern ein privates Fahrzeug.

Im weiteren zeitlichen Verlauf (der o.g. Mann befand sich nun nicht mehr an dem Auto) gerät während einer Filmaufnahme plötzlich ein ziviles Auto aus Richtung Hansaring kommend und in die Christophstraße einfahrend zwischen die Fronten. Clarence Smoyer, der Schütze des Pershing hält es für ein Militärfahrzeug und beschießt es sofort. Das Auto wird getroffen und rollt an den Seitenrand der Christophstraße aus. Ein kurzes Video dieses Filmausschnittes kann nachfolgend aufgerufen werden:

Video-Popup:
Filmausschnitt: das auftauchende und beschossene zivile Fahrzeug im Loop

Der Fahrer dieses zivilen Fahrzeuges erleidet einen Kopfschuß und stirbt sofort. Er wird in dem Auto begleitet von einer jungen Frau. Diese wird im Rahmen des Beschusses ebenfalls so schwer verletzt, daß sie nicht vom Auto weg fliehen kann.

Die folgende 3er-Bildfolge zeigt einen Beschuß des Autos durch die Amerikaner. Das konkrete Geschoß ist anhand des Tracerstrahls in den beiden linken Bildern gut erkennbar (schwarze Pfeile). Im ganz rechten Bild zu sehen trifft es den Wagen im Heckbereich (weißer Pfeil), möglicherweise ist gerade dies der Treffer, der die auf dem Beifahrersitz befindliche junge Frau verletzt

Nicht ausgeschlossen werden kann zudem, daß der Wagen zeitgleich auch in das Schußfeld des deutschen Panzers IV gekommen war und von dort einen versehentlichen Treffer erhielt. Der auf der DVD befragte damalige MG-Schütze des Panzer IV, Gustav Schäfer, hält dies jedenfalls nicht für unmöglich, den Wagen ebenfalls getroffen zu haben, als er zwischen die Fronten geraten ist.


Der MG Schütze des Panzer IV, der 18 Jahre alte Gustav Schäfer (links), 2017 verstorben und der Schütze des Pershing, Clarence Smoyer, bei einem Treffen 2013 in Köln.


Die beiden Schützen zu Kriegszeiten. Quelle: Adam Makos

Die Gefechte dauern jedenfalls auch nach dem Beschuß des Autos weiter an. Das Auto steht dabei die gesamte Zeit mitten zwischen den Fronten, mitten zwischen den umherfliegenden Geschossen.

Die Filmbilder zeigen, daß die Beifahrertüre geöffnet ist. Zu diesem Zeitpunkt sitzt die junge Frau offensichtlich noch im Auto, direkt neben dem toten Fahrer, denn der Körper liegt nicht - wie bei den späteren Aufnahmen noch zu sehen sein wird (Bild rechts) - unterhalb der geöffneten Tür. Das ist auf dem linken Bild gut zu erkennen.


Die Amerikaner lassen ihren Führungspanzer, den Pershing, auf die Häuserfronten der Christophstraße schießen, um den deutschen Panzer IV zu treffen oder zu verschütten. Der Wagen der jungen Frau steht während dieser Kampfhandlungen bzw. des Beschusses durch die Amerikaner immer noch an der rechten Straßenseite (weißer Pfeil). Der Turm des Panzer IV läßt sich durch die herunterfallenen Trümmer der beschossenen Häuser nicht mehr korrekt drehen. Der Kommandant beschließt, daß der Panzer sich zurückzieht. Dessen Funker G. Schäfer berichtet mir, daß der Panzer dafür nicht weit gefahren ist. Zusammen mit dem Kommandanten hat er den Panzer dann verlassen und versteckt sich in einem Keller. Er erinnert sich dabei, an einem Haus den Schriftzug "Hotel Gereon" gelesen zu haben. Aus diesen Schilderungen kann man die Schlußfolgerung ziehen, dass er den Panzer in der Probsteigasse verlassen hat (an dessen Ecke auch in neueren Zeiten noch ein Hotel Gereon stand), etwa 100 bis 150 Meter hinter der letzten Schußposition. Die verbleibende Crew fährt aber offenbar mit dem Panzer noch weiter. Als Schäfer später auf die Straße kommt, ist der Panzer IV jedenfalls nicht mehr da.

Video-Popup:
Filmausschnitt: Einsturz der beschossenen Häuserfronten im Loop

In einer weiteren Nahaufnahme sieht man einen Passanten über die Von Werth Straße gehend die Christophstraße überqueren. Auch er wird direkt von den Amerikanern beschossen, kann aber die andere Straßenseite offensichtlich unverletzt erreichen. Dieser Filmausschnitt kann nachfolgend betrachtet werden.

Video-Popup:
Filmausschnitt: der über die Straße laufende Passant im Loop


Die Soldaten rücken langsam zum Kaiser-Wilhelm-Ring vor. Im Hintergrund in der Christophstraße stehend der Wagen der verletzten jungen Frau.


Am Brunnen überqueren die Soldaten schließlich den Kaiser-Wilhelm-Ring.

Erst ca. eine Stunde nach dem im Film gezeigten Beschuß des Autos sind die Amerikaner über den Kaiser-Wilhelm-Ring bis zur Christophstraße vorgerückt und erreichen schließlich das immer noch rechts am Straßenrand stehende Auto. Die Frau liegt neben dem Wagen und wird nun von einem amerikanischen Sanitäter untersucht

Die Frau, wie sie neben den Auto am Boden liegt.

Auf den Filmbildern sind im Heckbereich verschiedene Treffer des
Autos erkennbar

Mit Pfeilen markiert die Einschußlöcher.


Und hier mit Pfeil markiert das Einschußloch, welches durch den weiter oben gezeigten Treffer verursacht worden war.

Eine Fotoaufnahme der Fahrerseite des Wagens zeigt den toten Fahrer des Wagens

Bildquelle: John Florea - LIFE Photo Collection

Der Kölner Journalist Hermann Rheindorf hat nach einigen Recherchen und einem entsprechenden Hilfs-Aufruf in einer Kölner Tageszeitung herausgefunden, daß es sich bei dieser jungen Frau um die Kölnerin Katharina Esser handelt und stellt auf seiner DVD "Köln 1945 Nahaufnahmen" ein paar weitere Hintergrundinformationen zu ihr und ihrem Schicksal vor. Auf diese weiteren Hintergrundinfos soll hier aber nicht weiter eingegangen werden.

Auf der DVD wird im folgenden aber auch noch dargestellt, daß die junge Frau im weiteren Verlauf der Geschehnisse nach der scheinbaren Beruhigung der Situation im Rahmen einer plötzlichen doch noch wieder aufflammenden Kampfsituation (Beschuss der amerikanischen Truppen mit einer Panzerfaust aus einem Haus) versehentlich von einem amerikanischen Panzer überollt und getötet wurde. Ob dies tatsächlich so war, wird später noch ein Thema auf dieser Seite sein.

Statt sich aber nun mit dieser schon für sich alleine gesehenen grausamen Erkenntnis zufrieden zu geben, geht Rheindorf in seiner Dokumentation noch ein Stück weiter. Auf der DVD wird dann nämlich ein Filmausschnitt gezeigt, der eine auf der Christophstraße liegende zerfetzte Leiche zeigt, hier ein Standbild dieser Szene

Die Frage

Fast anrührend wird es dann, als Rheindorf bei der Einblendung dieses Standbildes in die Runde wirft, ob die dort zu sehende verstümmelte Leiche wohl Katharina Esser sei, wobei er Katharina Esser dann gleich auch noch vertraulich "Kathi" Esser nennt:

"Der Gedanke, eine dieser Leichen könnte Kathi Esser sein, hinterläßt nicht nur bei mir ein mulmiges Gefühl"
Kommentar aus der "DVD Köln 1945 Nahaufnahmen"

Ist es wirklich notwendig, dass man in einer Filmdokumentation jetzt unbedingt auch noch zerfetzte Leichenteile einer bestimmten Person zuordnen muß ? Wem soll dies etwas bringen ? Sollen die Hinterbliebenden sich ein "allerletztes Foto" von der "Kathi" anschauen können ?

Sodann befragt er einen Fachmann, einen ehemaligen Leiter einer kriminalpolizeilichen Bildstelle (der bereits von Rheindorf bei der Kabel-Theorie befragt worden war - dort aber zu einem falschen Ergebnis gekommen war), ob es sich bei dieser Leiche denn wohl um die junge Frau handelt.

Angesichts der trotz Zerfetzung noch markanten Soldatenbekleidung der Leichenteile kommt der Fachmann jedoch schon nach kurzer Prüfung zu dem - auch meiner Meinung nach korrekten - Ergebnis, daß es nicht die junge Frau sein könne, deren Körper da zerfetzt auf der Straße liegend zu sehen ist.

Wenn man sich den betreffenden gesamten Abschnitt der DVD zum Thema Katharina Esser einmal ganz genau anschaut, drängt sich nämlich schon frühzeitig die Frage auf, ob denn diese konkrete Fragestellung Rheindorfs "Ist diese Leiche Katharina Esser ?" und die durchgeführte Analyse des ehemaligen Kriminalpolizisten auch nur im entferntesten überhaupt notwendig oder sinnig war.

Das Auto

Zunächst einmal handelt es sich auf dem gezeigten Standbild aus dem damals gedrehten Film bei dem Fahrzeug im Hintergrund gar nicht um das Auto, in dem Katharina Esser gesessen hat. Deren Wagen steht nämlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Christophstraße und ein kleines Stücke weiter zurück liegend in Richtung Kaiser-Wilhelm-Ring / Gladbacher Straße. Essers Auto ist - wie man auf den Filmbildern sehen kann - bis auf die kleineren Einschußtreffer unbeschädigt. Dieses Auto hier ist fast vollkommen zerstört.

In diesem betreffenden Straßenstück stehen zu diesem Zeitpunkt insgesamt 3 Autos bzw. Autowracks (weiße Pfeile)

Dieser Straßenbereich noch einmal aus Richtung Gladbacher Straße stadteinwärts gesehen, als die Amerikaner sich noch nicht bis dorthin vorgekämpft haben. Der ganz links stehende Wagen ist derjenige, vor dem auf dem Foto oben die Leichenteile liegen. Auch zu diesem Zeitpunkt schon mehr ein Wrack als ein Auto. Weiter dahinter zu sehen noch ein weiteres Fahrzeug, das ist jenes, an dem der daneben stehende Mann in der Filmaufnahme an der Beifahrertüre stand und der Fahrer tot auf dem Fahrersitz lag. Der Wagen der Katharina Esser steht bereits auf der rechten Seite der Straße. Hier zu sehen auch die weiter oben bereits beschriebene Person, die leichtsinnigerweise zu Fuß die Straße überquert und beschossen wird.

G. Schäfer, das Besatzungsmitglied des zu diesem Zeitpunkt dort befindlichen deutschen Panzer IV berichtet später, daß damals in diesem Bereich noch ständig Autos vorbei gefahren kamen als er dort stand.
Für diese drei nun dort stehenden Autos nahm ihre Fahrt kein gutes Ende.


Das Auto der Katharina Esser, sie liegt hier rechts neben dem Auto auf dem Boden. Der Kameramann hat den Kaiser-Wilhelm-Ring im Rücken und steht filmend in Richtung Innenstadt / Kirche St. Gereon. Ein kurzes Stück weiter stadteinwärts, hinter der kreuzenden Von Werth Straße steht ein weiterer Wagen, es ist der weiter oben beschriebene Wagen, neben dem im Filmausschnitt der Mann stand und in dem der tote Fahrer liegt. Wenn man die Nahaufnahme des Wagens oben gesehen hat, erkennt man hier auch die beiden Beine des Toten, die aus dem Wagen ragen

Die entsprechende Filmaufnahme erfolgte ungefähr von der Position aus, an das Auto der Katharina Esser stand. Sichtbar auch Schutt auf der Straße, der nach dem Beschuß der dortigen Häuserfronten durch den Pershing auf die Straße gefallen war.
Geht man ein kleines Stück weiter Richtung im Hintergrund bereits sichtbaren Dom und dreht man sich dann um, hat man folgenden Blick zurück Richtung Gladbacher Straße / Kaiser-Wilhelm-Ring

Bildquelle: John Florea - LIFE Photo Collection
Rechts sieht man im Vordergrund den Wagen aus dem vorigen Bild und dahinter den zerstörten Wagen mit den (hier allerdings kaum sichtbaren) Leichenteilen davor. Auf der linken Seite der Straße der Wagen der Katharina Esser (alle Autos mit Pfeilen markiert).

Näherer Blick von vorne auf den Wagen der Esser.
Hier auf diesem Bild steht der Pershing noch im Hintergrund - also eine zeitlich frühere Aufnahme.

Sehr schön zu sehen auf diesem Bild übrigens auch, dass es sich bei Essers Auto um ein ziviles Fahrzeug handelte. Das Kennzeichen ist kein militärisches sondern ein privates:

Die ersten beiden Stellen "1Z" stehen für "Rheinprovinz". Danach folgt ein roter Winkel, welcher besagte, dass der Wagen seinerzeit in Zeiten knappen Treibstoffs überhaupt fahren durfte.

Nachfolgend ein Luftbild dieses Areals, allerdings zu einem ganz anderen Zeitpunkt aufgenommen, es liegen keine Trümmer in den Straßen

Eingezeichnet die Positionen der drei Autos in der Christophstraße am 6. März 1945. Blauer Punkt - der Wagen von Katharina Esser, roter Punkt der zerstörte Wagen mit den Leichenteilen davor, schwarzer Punkt der dritte Wagen mit dem toten Fahrer, schon etwas weiter Richtung Gereonkirche positioniert.

Wieder zurück zu den Leichenteilen. Das bereits oben gezeigte Standbild aus dem Film, welches als Grundlage der Analyse heran gezogen wird, zeigt aber möglicherweise tatsächlich schon die richtige Zuordnung der Leichenteile zum richtigen Auto

Das Auto sieht wie durch eine Explosion zerstört aus und die Leichenteile könnten von einer Person stammen, die bei der Explosion durch die Tür aus dem Auto geschleudert und zerrissen worden ist.

Insgesamt zwei übel zerfetzte Körperteile sind auf den Fotos und Filmaufnahmen dieses Straßenbereichs zu sehen. Der Körper aus den Filmaufnahmen (Standbild oben), zudem sieht man ein weiteres Körperteil auf einem damals ebenfalls dort aufgenommenen Foto

Hier im Vordergrund links am Straßenrand liegt ein weiteres zerfetztes Körperteil. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem auf dem anderen Bild zu sehenden Körperteil. Handelt es sich also um den gleichen Körperteil, der nur in der Zwischenzeit von der Straßenmitte weg zum Straßenrand gezogen worden ist ?

Im Hintergrund sieht man auf diesem Foto hinter dem direkt vorne auf der Straße gehenden Soldaten gerade noch etwas auf der Straße liegen. Dies könnte von der Lage auf der Straße und im Verhältnis zum Auto auf dem Standbild durchaus auch das andere Körperteil vom Standbild aus dem Film sein, hier insbesondere der Stiefel

Auch auf dem Standbild aus dem Film ist im Hintergrund etwas zu sehen, was durchaus das andere zerrissene Körperteil sein könnte (linker Pfeil)

Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr hoch, daß es sich um zwei verschiedene Körperteile handelt. Möglicherweise gehören diese beiden Körperteile auch zur gleichen getöteten Person ? Allerdings ist auf den Filmbildern am Auto auch noch mindestens ein weiterer Stiefel auf der Straße liegend zu sehen ...

... (direkt rechts neben den Füßen des Rechten der drei zu sehenden Soldaten), so daß einiges dafür spricht, daß es sich eher um Überreste von mindestens zwei Personen handeln wird, die in dem explodierten Wagen gesessen haben.

Der Kameramann

Rheindorf höchstpersönlich gibt sodann im folgenden eine hervorragende Steilvorlage für den Nachweis der Absurdität seiner eigenen Fragestellung.

Die Bilder mit den zerfetzten Leichenteilen werden ganz offensichtlich von einem Filmkameramann (also Bates oder Rosenmann) am Ort des Geschehens gedreht, während Katharina Esser noch neben ihrem Wagen liegt und behandelt wird.

Nach der ausdrücklichen Darstellung auf der Rheindorf-DVD kommt es zu den angeblich plötzlich wieder aufflammenden Kämpfen, in deren Verlauf Katharina Esser überfahren und getötet wird, erst, als die Kameramänner schon längst von diesem Ort weg sind. Beim Zeigen der Filmbilder aus der Christophstraße kommentiert Rheindorf dies wie folgt:

"Was passierte ... nach diesen vermutlich letzten Aufnahmen ? Die Kameramänner rückten weiter vor in Richtung Dom, immer dicht an Clarence Smoyers Pershing Panzer"
Kommentar aus der "DVD Köln 1945 Nahaufnahmen"

Wenn aber die Kameramänner bereits weg zum Dom waren, als die Kämpfe wieder aufflammten, wie sollten diese Kameramänner dann überhaupt noch die Aufnahmen von einer bereits überfahrenen Katharina Esser gemacht haben können ???

Die Lage

Und unabhängig von der bereits zuvor beschriebenen Unmöglichkeit, daß es Katharina Essers Leichenteile waren. Katharina Esser lag - wie man im Film sehr gut sehen kann - auf der straßenabgewandten Seite ihres Autos, also quasi auf dem Bürgersteig.
Wenn dort ein Panzer über sie hinweggerollt ist, wie sollte sie dann als überfahrene zerfetzte Leiche überhaupt auf die andere Straßenseite gekommen sein ?

Leichenteile schon viel früher da ?

Auf den Filmbildern, die noch mit Teleobjektiv aus der Gladbacher Straße gemacht worden waren, bevor die Amerikaner den Kaiser-Wilhelm-Ring überquerten und zur Christophstraße kamen, suche ich nach weiteren Hinweisen auf die in der Christophstraße gefilmten Leichenteile. Zwei Filmausschnitte fallen auf.


Hier auf diesem Standbild aus dem Film fährt gerade der Wagen von Katharina Esser in den Straßenbereich herein, wird beschossen. Auf der Straße rund um das zerstörte Auto auf der linken Straßenseite ist etwas zu sehen, was durchaus verletzte oder tote Personen oder Personenteile sein könnten, also angesichts der Lage auch diese im Film später zu sehenden Leichenteile sein könnten (Pfeile), das Objekt Pfeil rechts wirkt dabei aber hier noch recht groß.


Und hier noch ein Standbild der Aufnahmen, wo die Person über die Straße läuft (und auch von den Amerikanern beschossen wird).
Diese Filmszene entstand zeitlich nach derjenigen von oben. Der Wagen der Katharina Esser steht nun bereits am rechten Straßenrand. Wieder sind diese beiden Objekte zu sehen (Pfeile). Das rechte Objekt wirkt jedoch nicht mehr so groß, könnte von der Größe nunmehr genau das später genauer gefilmte Leichenteil vor dem Auto sein.

Die anscheinend reduzierte Größe des Objekt könnte daher stammen, daß es beim anhaltenden Beschuß dieser Straße durch die Amerikaner getroffen und dabei weiter zerfetzt / verkleinert worden ist. In den Nahaufnahme-Filmbildern sieht man einige Aufschläge von Munition auf der Straßenoberfläche.

Quintessenz

Man wird es nicht mehr hundertprozentig sagen können, aber die Wahrscheinlichkeit erscheint recht hoch, daß es sich bei diesen in den Teleobjektiv-Nahaufnahmen zu sehenden auf der Straße liegenden Objekten bereits um die Leichenteile eines oder mehrere Soldaten handelt, die bei der Explosion des links auf der Straße stehenden Autos herausgeschleudert und zerfetzt worden waren. Und das bereits zu einem Zeitpunkt, als der Wagen der Katharina Esser dort noch nicht eingetroffen war.

In diesem Fall konnten die gezeigten Leichenteile schon aus diesem Grunde nicht Katharina Esser sein.

Aber selbst wenn man die bei den noch aus der Gladbacher Straße heraus gemachten Filmbildern erkennbaren Objekte auf der Straße noch nicht sicher als Leichenteile identifizieren könnte, so waren diese Leichenteile schon dort, als die Filmkameraleute noch am Ort des Geschehens waren, diese filmten und zeitgleich Katharina Esser sichtbar noch lebte.
Denn da die Kameraleute nach Rheindorfs eigener Schilderung schon abgezogen waren, als die Kämpfe unerwartet wieder aufflammten, können die Filmbilder erst recht nicht eine zerfetzte Leiche der Katharina Esser zeigen.

Fragestellung und Analyse auf der DVD zum Thema, ob die Leichenteile von Katharina Esser stammten, waren also nach alledem wirklich vollkommen überflüssig.


Nachdem die Truppen die Christophstraße passiert haben, geht es weiter in Richtung Dom. Hier ein Blick über die der Christophstraße folgenden Gereonstraße.

Hier wird insbesondere der Pershing noch eine wichtige Rolle im berühmten Panzerduell am Dom spielen.

Update 2014

Hermann Rheindorf legt nach. Im November 2014 erscheint ein Buch zu den Ereignissen am 6 März 1945 und eine neue DVD, die sogenannte "Köln 1945 Nahaufnahmen - Edition 2015", also eine Neuauflage der alten DVD von 2008 sowie eine weitere Doku mit dem Namen "Die tatsächlichen Bilder des Panzerduells am Dom". In beiden Dokus führt Rheindorf neue Informationen und Aussagen ein und läßt auch alte Informationen und Aussagen, die nicht haltbar waren, entfallen. Vielfach bringt er auch weitere Argumente ein, die schon bestehende Sichtweisen weiter untermauern sollen.
Das Kapitel zu Katharina Esser ist in der Edition 2015 weiterhin enthalten, jedoch hat Rheindorf die oben von mir kritisierten Sequenzen mit der Fragestellung, ob die sichtbaren Leichenteile von Katharina Esser stammen könnten, entfernt.

Und wie starb Katharina Esser nun wirklich ?

Laut Rheindorfs Theorie in Buch und Film wurden die US Truppen an dieser Stelle plötzlich aus einem Haus heraus von versteckten deutschen Soldaten mit einer Panzerfaust beschossen, als die Situation eigentlich schon bereinigt schien, die ersten Panzer durchgefahren waren, die Kameraleute bereits weg waren und Esser noch auf eine weitere Behandlung wartete. In der allgemeinen Panik der Soldaten sei sie dann von einem US-Panzer überrollt worden.

Nun, gleich vorweg, einen stichhaltigen definitiven Beweis dieses Ablaufs gibt es nicht. Es gibt keinen Bericht, der das genau so darstellt. Wie an anderen Stellen seiner Dokumentation betrachtet Rheindorf wieder einzelne Geschehnisse bzw. Unterlagen und schließt dann daraus eine bestimmte Folge. Da ich aber weiß, wie Rheindorf mit Tatsachen umgeht und manchmal auch nicht ganz korrekt mit den Fakten hantiert, schaue ich mir die von ihm vorgelegten Indizien im Folgenden einmal genauer an. Rheindorf geht sowohl in seiner Filmdokumentation als auch in seinem Buch auf das Thema ein.

Eidesstattliche Erklärung einer angeblichen Zeugin

Wichtigster Hinweis für Rheindorf ist eine eidesstattliche Erklärung einer Zeugin, die 10 Monate nach den Geschehnissen im Januar 1946 vor der Polizei aufgenommen worden war und im Buch und im Film gezeigt wird. Sie schreibt darin, dass sie dem Vorfall auf der Christophstraße persönlich zugesehen haben will. Esser war nach ihrer Aussage nach dem Beschuss durch einen amerikanischen Panzer zwischen 10 und 11 Uhr aus dem Auto gefallen und dann von "dem Panzer" überfahren worden, so dass nachher nur "Reststücke" sowie "Hand, Fuß und einige Körperreste" zu finden gewesen seien. Die Zeugin gab in der Erklärung weiterhin an, dass Esser Stiefel getragen habe.

Die Schilderung erscheint mir insgesamt nicht sehr überzeugend. Esser wurde danach von "dem Panzer" überfahren, der zuvor schon den Wagen beschossen hatte ?
Hier werden locker 1 - 2 Stunden Zeit übersprungen, die zwischen 10 und 11 Uhr (Beschuss des Wagens) und mindestens einige Zeit nach 12 Uhr (Filmaufnahmen Esser neben Auto) , wo Esser noch lebte, liegen. Die Zeugin sprach auch nicht von einem plötzlichen Tumult aufgrund eines späteren deutschen Beschusses.
Es ist auch fraglich, von wo die Zeugin das alles gesehen haben will. Stand sie gemütlich am Straßenrand oder schaute aus einem Fenster, als die Schießereien zwischen US Truppen und deutschem Panzer stattfanden ? Dort wurden auch angrenzende Häuser beschossen und getroffen. Der deutsche Panzer lieferte sich ja gerade ein Gefecht mit Smoyers Panzer, als Essers Wagen in den Bereich fuhr. Da befand sich die Zeugin nicht in Deckung oder in einem Hauskeller sondern beobachtete inmitten der Schußwechsels alles, auch die Fahrt von Essers Wagen ? Und schon nach eigener Aussage des Schützen Gustav Schäfer hatte dieser auf deutscher Seite auch in Richtung Amerikaner geschossen und vermutlich auch den Wagen der Esser bei der Anfahrt getroffen. Davon sagt die Zeugin auch nichts.
In der eidesstattlichen Erklärung gab sie an, in der Christophstraße 22 zu wohnen, ein Stück weiter hinter dem Ort des Geschehens in Richtung Gereonskirche. Am 6. März 1945 hätte der deutsche Panzer quasi direkt vor ihrem Haus gestanden und in Richtung der Amerikaner geschossen, als der Wagen der Esser in die Christophstraße eingebogen war und von beiden Seiten beschossen wurde. Insofern ist es schon merkwürdig, dass die Zeugin nur schreibt, der Wagen sei von einem amerikanischen Panzer beschossen worden.


Bildquelle: John Florea - LIFE Photo Collection
Blick von dem Bereich auf der Christophstraße aus, auf der die abgeschossenen Autos stehen, im Vordergrund Überreste des deutschen Soldaten, die wir weiter oben schon gesehen hatten. Das Haus Christophstraße 22, wo die Zeugin wohnte, lag hinter diesen Häusern auf der linken Straßenseite (Pfeil). Zumindest aus einem Fenster des Hauses hätte die Zeugin seinerzeit auch garnicht richtig in den Straßenbereich hinein sehen können.

Auch auf Filmaufnahmen während der Versorgung Essers durch US Soldaten sind keine Zivilisten zu sehen.
Bei der Zeugin hört es sich auch so an, als ob Esser neben dem Wagen überfahren worden ist. Aber neben dem Wagen, auf der Seite, wo Esser lag, waren auch schon direkt Trümmergrundstücke. Wie sollte überhaupt auf diesem engen Stück Gehweg ein Panzer vorbei fahren können ?

Kaum Platz an der Seite des Autos, wie sollte da ein Panzer Platz finden und warum ? Der Panzer würde auf Schutt / Trümmer fahren, somit auch schlechter manövrierbar werden und zudem selbst bei einem plötzlichen Beschuß auch nicht in sehr viel bessere Deckung geraten, da die Häuser dort zerstört waren ...

Auch sieht man auf einem Foto, welches offensichtlich sehr viele später nach Durchmarsch der amerikanischen Truppen gemacht worden sein muß, räumlich unverändert noch den Wagen der Esser mit geöffneten Türen.

Bildquelle: John Florea - LIFE Photo Collection
Keine Spuren der Zerstörung des Autos (Pfeil) durch einen Panzer, der dort auf dem Fußweg, wo Esser lag, vorbei gefahren wäre und dabei sicher auch den Wagen gerammt haben müßte. Warum das Foto sehr viel später gemacht worden sein muß ? Nun, im Hintergrund, zur Gladbacher Straße hin, sind keine Panzer mehr zu sehen, die in Richtung Innenstadt unterwegs sind. Daher scheint das Foto so spät gemacht worden zu sein, dass eine angebliche Attacke auf die US Truppen an dieser Stelle schon vorbei gewesen sein müßte - mangels potenzieller Ziele ...
Einen abgeschossenen Panzer sieht man dort auch nicht stehen.
Und Katharina Esser liegt zudem auch nicht mehr neben dem Auto ! Die Tür steht offen, das Auto (nach Vergleichen mit Bildern, als sie dort noch lag) immer noch unbewegt an exakt gleicher Stelle. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Panzer die Esser neben dem Auto liegend so überrollt hätte, dass weder die Türe des Autos abgerissen, noch das Auto irgendwie verschoben worden wäre, wenn zeitgleich durch ein Überrollen von Katharina Esser von Kopf bis Fuß nur Körperreste übrig geblieben sein sollten. Eine Beschädigung oder ein Verschieben des Autos wäre eigentlich vollkommen unvermeidbar gewesen.

Rheindorf selber zeigt im Buch auch ein Foto von diesem Zeitpunkt, als das Foto oben gemacht worden ist. Es zeigt ebenfalls die beiden Damen an diesem Ort, nur 1 oder 2 Minuten nach dem oben gemachten Bild. Im Hintergrund der Wagen der Esser. Auch Rheindorf schreibt wie ich hier, dies sei ein späteres Bild, in dem der Wagen "scheinbar unberührt im Hintergrund zu sehen sei". Rheindorf geht also auch davon aus, dass Esser noch neben dem Wagen gelegen hätte, als sie überfahren wurde und der Wagen dadurch auch beschädigt worden sein müßte. Gemäß Rheindorf müßte neben dem Auto in diesem Moment des Fotos also noch die Esser neben dem Wagen gelegen haben, denn er war ja scheinbar unbeschädigt. Und im Buch führt er im dem Foto Folgenden dann auch aus, warum es quasi anschließend an dieses Foto noch zu der plötzlichen erneuten Kampfsituation gekommen sein soll. Eigentlich hat er sich damit also schon selber widersprochen, denn ...


Bildquelle: John Florea - LIFE Photo Collection
Das Auto noch einmal zum gleichen späteren Zeitpunkt, nur in einer Vergrößerung eines weiteren Bildes aus diesen gleichen Minuten (Der Fotograf John Florea hatte in diesen Minuten mehrere Fotos in der Straße gemacht). Esser liegt wie gesagt nicht mehr neben dem Auto !
Das hat Rheindorf in seinem Buch zu diesem Foto natürlich nicht erwähnt ! Er schreibt ja indirekt nur, dass das Auto hier noch nicht beschädigt ist und die Esser somit also erst danach neben dem Auto überfahren worden sein kann.
Die Geschichte, dass Esser aus dem Auto gefallen ist und daneben dann durch einen Panzer überfahren worden ist, kann also schon danach garnicht stimmen.

Der angeblich abgeschossene Sherman

Rheindorf zeigt in seinem Buch als weiteren angeblichen Beweis auch noch das Bild von weiter oben, auf dem ein Panzer an der Kreuzung hinter Essers Wagen steht:

Rheindorf schreibt dazu: "Das Bild zeigt möglicherweise die Situation nach dem Angriff auf die US-Truppen mit einer Panzerfaust. Bei dem rechts stehenden Sherman-Panzer soll es sich um einen abgeschossenen Kampfwagen handeln."
Nun, das Bild aus dem Bundesarchiv, geführt unter Bild 146-1971-053-63, trägt dort den Namen "Sherman vor zerstörtem Gebäude", im historischen US-Orginal heißt es "Infantrymen and armor of the First U.S. Army proceed through the streets of war-battered Cologne. A body lies in the guttor at left.". Also keine Hinweise darauf, dass es sich um einen abgeschossenen Panzer handelt. Es handelt sich bei dem Panzer übrigens genauer gesagt um einen sogenannten Sherman M4A1 DD, eine auch als Schwimmpanzer zu verwendende Variante des Sherman Panzers.
Wieso es sich laut Rheindorf um einen abgeschossenen Kampfwagen handeln soll, ist jedenfalls weder aus der Fotobeschreibung noch aus sonst in Buch oder Film gezeigten Beweisen erklärlich, möglicherweise also auch nur ein ausgesprochenes Wunschdenken für seine Theorie ...

Ich suche aber auch noch mal zur Absicherung nach anderen Bildern aus dieser Umgebung und finde ein Foto der US Signal Corps, welches nach Jahren der Recherche rund um die Ereignisse des 6. März 1945 sicher auch Rheindorf bekannt ist und eine Reihe amerikanischer Panzer auf der beim Vormarsch später folgenden Gereonstraße zeigt:

Und siehe da, der Panzer, der laut Rheindorf zuvor abgeschossen worden sein soll, fährt dort als zweiter von links munter in der Kolonne in Richtung Dom, das Areal an der Christophstraße hatten die Panzer da schon passiert. In seinem Buch werden hunderte Bilder von Köln an diesem Tag gezeigt. Dieses Bild aus der Gereonstraße ist kurioser Weise leider nicht dabei ...


Der Vergleich der beiden Aufnahmen ist eindeutig, es ist ein M4A1 DD, die Anordnung der Kisten mit Munition auf dem Heck des Panzers ist wie ein Fingerabdruck und jeder Panzer hat eine andere Anordnung oder Farbabweichungen der Kisten. Diese sind tatsächlich identisch. Dieser Panzer wurde also ganz sicher nicht in der Christophstrasse abgeschossen...

Das Haus, aus dem die deutschen Soldaten schossen

Spannend ist bei einer Untersuchung der verschiedenen Äußerungen Rheindorfs dazu, dass er sich auch nicht ganz einigen kann, von wo aus denn der deutsche Panzerfaust-Angreifer nun geschossen haben soll. Im Buch ist auf Seite 134 von einem "Haus direkt an der Gereonstraße" die Rede, im Film aus einem Haus in der Christophstraße ... hmmm...

Der Historiker

Ein weiterer angeblicher Beweis ist auch kurios.

Rheindorf verweist hinsichtlich des Panzerfaust-Abschusses eines Sherman im Film zunächst auf eine entsprechende Abhandlung eines unbekannten Historikers. Dazu blendet er eine Textpassage ein, die angeblich aus dieser Abhandlung stammt. Direkt wundere ich mich, dass die angeblich relevante Textpassage überwiegend nur einen kleinen Teil des Bildes einnimmt.
Zudem fällt mir auf, dass im gezeigten Text eine Uhrzeit genannt ist, wo ein Panzer von einer Panzerfaust abgeschossen worden sein soll.

"Der "Sherman"-Panzer wurde am Vormittag des 06.03 '45, gegen ..."

Ja, gegen ... ????
Uhrzeit ... ????


Aus dem Film: Der Hintergrund nimmt ggü. dem entscheidenden Text viel Platz ein. Die dort erwähnte Uhrzeit der Vorfalls ist aber geradezu "perfekt" abgeschnitten bzw. nicht für den normalen Betrachter des Films erkennbar, die Passage schwenkt zudem langsam aus dem Bild heraus.

Das macht mich nach all meinen Erfahrungen mit dem Dokumentationsstil von Rheindorf schon mißtrauisch, zumal ja auch das Wort "Vormittag" im Text zum Vorfall enthalten ist, also eigentlich eine Zeit VOR 12 Uhr.

Dokumente, die für ihn bzw. seine Theorien uneingeschränkt ungefährlich oder sogar hilfreich sind (wie die eidesstattliche Erklärung der Zeugin), zeigt er nämlich im Film meistens gerne gut lesbar (Screenshot aus Rheindorfs Film - im Buch auch vollständig zu sehen). Sofern aber Briefe, Bücher, Dokumente insbesondere im Film schwer lesbar gemacht werden durch Zeigen von Ausschnitten und "Kamera-Flügen" über das Dokument, wo man auf die Schnelle nicht richtig den Text erkennen bzw. lesen kann, wird es meistens abenteuerlich mit seiner Wiedergabe des vermeintlichen Inhalts ...

Was hat er durch diese Darstellung des Textes möglicherweise verschleiern wollen ?
Ich schaue mir Einzelbild für Einzelbild der Filmsequenz an und soll mit meiner Skepsis Recht behalten.
Im ersten Einzelbild dieser Filmsequenz kann tatsächlich während der Einblendung gerade noch ein kleines Stück der in dem Dokument geschriebenen Uhrzeit erkannt werden, bevor es in den nächsten Einzelbildern schleunig aus dem sichtbaren Bildbereich verschwindet. Der normale Film-Betrachter sieht das nicht, so schnell ist der Bereich des Textes im normal ablaufenden Film schon wieder aus dem Bild. Aber die Vergrößerung zeigt es:

Nicht leicht erkennbar, aber die erste Zahl der Uhrzeit ist in jedem Fall eine "1" und die zweite Zahl muss, so wie es aussieht, auch eine "1" sein. Jedenfalls ist es keine "2" !
Damit war die genannte Zeit, die man nicht sehen sollte:

11 Uhr

Der normale Film-Zuschauer konnte diese Uhrzeit also nicht sehen. Und sie wird im Kommentar des Films natürlich auch nicht erwähnt. In Rheindorfs Buch wird der Beitrag des Historikers übrigens überhaupt nicht erwähnt oder gezeigt, vermutlich weil er ihn dann nicht nur als Ausschnitt sondern sondern als komplettes Dokument - also mit Uhrzeit - hätte zeigen müssen ...

Erinnern wir uns an die Uhr des Soldaten in der Filmszene, in der Katherina Esser behandelt wird. Rheindorf selber hatte in der Doku darauf gezoomt und festgestellt, dass sie wenige Minuten nach 12 Uhr mittags zeigte, als Esser gerade behandelt wurde.

Wenige Minuten nach 12 Uhr hält Rheindorf im Kommentar dieser Filmszene fest ...

Damit lag der Abschuss eines Sherman, auf den sich Rheindorf hier beruft in Wirklichkeit 1 Stunde vor den Szenen, die die Behandlung von Esser auf dem Boden neben dem Auto zeigen ! Der dort geschilderte Abschuß konnte jedenfalls nicht eine Paniksituation in der Christophstraße herbeiführen, in der Esser überrollt worden wäre und um 11 Uhr befanden sich auch überhaupt noch keine US Panzer in der Christophstraße, weil die US Truppen zu dieser Zeit noch in der Gladbacher Straße auf der anderen Seite der Ringstraße standen. Der Abschuß dieses Sherman muss also ganz woanders passiert sein.

Spannenderweise wird dieses "Beweisstück" übrigens auch nur im Film gezeigt, wo man mit der defensiven Zeigetechnik ja auch gut die Uhrzeit verdecken kann. Im Buch wird dieser Bericht des Historikers überhaupt nicht erwähnt. Klar, man müßte dann ein Bild des Berichts zeigen und dann würde man die Uhrzeit sehen können oder man müßte nur einen kleinen Ausschnitt des Berichts ohne Uhrzeit zeigen und das wäre doch auch sehr auffällig gewesen ... So verdeckt man im Film die Uhrzeit und muss es im Buch auch nicht erwähnen...

Und 11 Uhr wird noch durch einen weiteren Filmausschnitt bestätigt. Rheindorf trägt vor, dass er von den obigen Erkenntnissen beschwingt einem Newsletter der amerikanischen 3AD (der auch von Veteranen gelesen wird) geschrieben habe, um vielleicht noch mehr Details von einem Abschuss eines US Panzers dort von den Veteranen, die damals in Köln waren, erfahren zu können. Der Brief, den er geschrieben hat, wird im Film gezeigt, aber das Lesen wird durch einen Kameraflug über das Papier in verschiedenen Richtungen erschwert. Aber auch hier macht ein Standbild es doch dann deutlich...
Was schreibt Rheindorf also den amerikanischen Veteranen zu Zeit des Panzerabschusses ?


Er selber beruft sich in seinem Brief schon direkt auf einen Abschuß ausdrücklich um 11 Uhr (rechter Pfeil) ! Nicht um 12 Uhr oder später, als Esser noch lebend neben ihrem Auto lag ! Ein Abschuß um 11 hätte doch zu keinem auswertbaren Ergebnis im Hinblick auf eine nach der Filmszene mit Esser um 12 Uhr angeblich noch einmal aufgeflammte Gefechte mit Abschuß eines Panzers und daraus resultierendem Überrollen der Esser führen können ???

Ging es Rheindorf also nur darum, nachzuweisen, dass irgendein amerikanischer Panzer irgendwann einmal irgendwo dort abgeschossen worden ist, um daraus unter Verschleierung der Uhrzeit das daraus resultierende Überrollen der Esser behaupten zu können, obwohl es das tatsächlich garnicht gab bzw. nicht nachweisbar war ?

Der Veteran

Als nächstes wird von ihm ein Brief erwähnt, den er von einem amerikanischen Veteranen als Reaktion auf seinen Brief erhalten hat. Im Film ist der Brief wieder nur ausschnittweise und dadurch schwer lesbar durchs Bild fliegend zu sehen. Rheindorf kommentiert, dass der Soldat "an dieser Stelle" gewesen sei und abgeschossen worden sei !
Hört sich nach einem weiteren vermeintlich schlagenden Beweis an (der Betrachter des Films kennt ja nicht die Uhrzeit-Differenz und versteht unter "an dieser Stelle" natürlich den Straßenabschnitt der Christophstraße, wo Katharina Esser verwundet lag.

Also "an dieser Stelle" wurde er tatsächlich abgeschossen ?

Im Buch ist der Brief vollständig auf einem kleinen Foto zu sehen. Der Veteran schildert darin in der Tat, dass sein Panzer am Mittag des 6.3.1945 von einer Panzerfaust abgeschossen worden war.
Aber wo, das schreibt er überhaupt garnicht !
Er schreibt zusammenfassend lediglich, dass er in der Stadt unterwegs war und aus einem Gebäude mit einer Panzerfaust abgeschossen worden war. Kein Hinweis auf eine bestimmte Örtlichkeit.

Rheindorf weist zuvor nur lapidar (aber immerhin) darauf hin, dass dieser Soldat mit der D Company unterwegs war, die einen Häuserblock nördlich von Smoyers Einheit unterwegs war...
Hmmm, ein Häuserblock entfernt ... ???
Also nicht mit Smoyers Einheit aus der Christophstraße unterwegs...
Kam also dieser Soldat mit seinem Panzer überhaupt an der Christophstraße vorbei ? Und warum sollte die Einheit überhaupt dorthin fahren, wenn sie zuvor schon weiter nördlich in Richtung Innenstadt unterwegs war ?

Und was ist in Köln ein "Häuserblock" Entfernung ?
Rheindorf selber zitiert im Buch einen deutschen Soldaten der 363. Volksgrenadier-Division, der an diesem Vormittag im Hansahochhaus am Hansaring postiert war. Der Soldat schreibt in einem Kriegstagebuch, dass an diesem Mittag die US Truppen "100 m westlich unseres Hochhauses ... den Hansa-Ring" überquerten...

War das vielleicht die Einheit, zu der der Soldat, der den Abschuß seines Panzers geschildert hatte, gehörte ? Der angebliche "Häuserblock" nördlich (also Richtung Hansahochhaus) entfernt von der Christophstraße ?

Nun, 100 m vom Hansahochhaus entfernt ?

Bildquelle Nara. Zum Vergleich, zwischen der Einmündung zur Christophstraße von der Ringstraße her und dem Hansahochhaus liegt eine Distanz von 1, 2 Kilometern ! Selbst wenn die beschriebenen US-Truppen tatsächlich sogar 200 Meter entfernt vom Hochhaus gewesen wären, lag dies immer noch 1 Kilometer von der Christophstraße entfernt. Es erscheint nicht realistisch, dass diese Truppen dann von dort am Hansaring noch zur Christophstraße weiter gerückt sein sollten. Das wäre eine parallel zur Innenstadt verlaufende Route gewesen und kein weiterer Vormarsch in Richtung Stadtzentrum ...

Unterstützt werden meine Feststellungen auch durch eine Landkarte aus dem Buch "Spearhead in the West", die Rheindorf im Film zeigt, während er zeitgleich kommentiert, dass er von dem Soldat einen Brief bekommen hat und der Soldat mit seiner Einheit nur einen Häuserblock weiter entfernt gewesen sei. Im Buch wird diese Landkarte schwach grau als Hintergrund der gesamten Seite mit Rheindorfs entsprechenden Ausführungen abgedruckt.
Diese Landkarte, die englische Bezeichnungen enthält sowie handschriftlichen Vermerk " ...into the city" wurde also vermutlich von diesem Soldaten aus dem Buch kopiert und seinem Brief beigefügt. Die Landkarte enthält eine durchgängige farbliche Markierung von verschiedenen Straßen, die von Pulheim ausgehend entlang des Flughafens Butzweiler Hof über Longerich in Richtung Innenstadt verläuft (der Soldat schreibt in seinem Brief auch, er sei über den Flugplatz gefahren).

Die Karte markiert offensichtlich den Weg, den die D Company, in der der Soldat war, in die Stadt genommen hatte. Die D Company gehörte zur sog. task force Kane, die aus den medium tank companies des 1st battalion, 32nd armored regiment bestand und immer etwas weiter nördlich als die task force Doan, in der auch Smoyers Panzer unterwegs war, auf die Innenstadt vordrang. Es wird deutlich, dass der Soldat damit von Pulheim über Longerich Richtung Innenstadt vorgedrungen war und im Bereich zwischen Hansaring (mit dem o.g. Hansahochhaus) und heutigem Ebertplatz, damals noch Adolf Hitler-Platz genannt, auf die Ringstraße getroffen sein musste. Die Markierung auf der Karte verläuft dann auch nicht weiter in Richtung Christophstraße sondern endet in dem Areal zwischen Hansaring und Ebertplatz, so dass der Soldat mit seinem Panzer vermutlich dort abgeschossen worden ist, also relativ weit von der Christophstraße und Katharina Esser entfernt (von mir eingezeichneter roter Punkt). Natürlich mussten die verschieden Companies auch einen gewissen Abstand voneinander einhalten, um sich nicht versehentlich gegenseitig zu beschiessen. Auch aus diesem Grunde dürfte die D Company nicht zu nah bei der E Company von Smoyer gewesen sein. In jedem Fall hätte daher ein Abschuss eines Panzers in der entfernten D Company sicher nicht zu irgendeiner Panik-Reaktion bei den Truppen in der Christophstrasse führen können.

Tagebuch-Eintrag

Einen weiteren Beweis stellt laut Rheindorfs Buch der Bericht eines Stabsarztes Künstle dar, der für die oben schon erwähnte 363. Volksgrenadier-Division eine Art Divisions-Chronik erstellte. Diese Division war in Köln an verschiedenen Orten unterwegs und hatte in der Nacht zum 6. März 1945 u.a. im Hansahochhaus Quartier bezogen. Künstle schreibt - allerdings ohne erkennbare nähere Zuordnung zu konkreten Örtlichkeiten und Uhrzeit des 6.3. in Köln - , dass ein Panzervernichtungstrupp unter Hptm. Rose im Rahmen von schweren infantristischen Kämpfen mit einer Panzerfaust zwei Sherman abgeschossen habe.
Im Buch "Geschichte der 363. infanterie-Division" von Helmut Golke wird ebenfalls dieses Ereignis erwähnt. Dort wird es allerdings so beschrieben, dass am "Nachmittag eine starke Feindgruppe mit Panzerunterstützung in den letzten Brückenkopf eindringen wollte und es Hptm. Rose mit schnell zusammengerafften Männern und Panzerfäustern gelungen sei, den Einbruch abzuriegeln und dabei auch noch einen Panzer abzuschießen. Auch dort wird eine konkrete Örtlichkeit nicht benannt.

Abgesehen davon, dass man sich schon uneins ist, wieviele Panzer nun abgeschossen worden sind, erscheint es auch nicht realistisch, dass diese Ereignisse in der Christophstraße geschahen.
Denn bereits gegen 12 Uhr hatten Smoyers Panzer und weitere Panzer ja schon die Christophstraße passiert und waren Richtung Dom unterwegs. Hier ging es also garnicht darum, einen Einbruch in einen letzten Brückenkopf abgeriegelt zu haben. Die Beschreibung paßt also garnicht auf die Geschehnisse in der Christophstraße, wo der Einbruch der US Truppen ja schon lange geschehen war. In den weiter nördlich der Christophstraße gelegenenen Regionen gab es beispielsweise noch Probleme der US Armee mit dem Vorstoß in die Innenstadt. Dort mag also ein Abschuss mit der Panzerfaust stattgefunden haben ...

Der Jeep

Ein weiterer angeblicher Beweis Rheindorfs ist ein weiteres Foto aus dem Bereich Christophstraße, welches Rheindorf in seinem Buch zeigt. Es zeigt einen Jeep in der Einmündung der Von-Werth-Strasse zur Christophstraße.

Quelle des gleichen Bildes: Bilderbuch Köln. Rheindorf schreibt dazu: "Ein durch Beschuß beschädigter US-Jeep mitten auf der Kreuzung Christophstraße / Von-Werth-Straße". Die Intention dieser Präsentation des Bildes ist klar. Es gab dort tatsächlich ein Gefecht, der Jeep wurde dabei beschädigt... Nun, durch Beschuß beschädigt ?
Der Jeep sieht in der Tat auf den ersten Blick anders aus, als andere US-Jeeps. Ist das schon die vermeintliche "Beschädigung", dass er anders aussieht ?
Eine kleine Recherche zeigt. Es gibt Jeeps, die so aussehen, es ist eine Art Transport-Jeep.
Quelle 324th Medical BattalionUnit History. Im vorderen Bereich ist bei diesen Jeeps ein Gestell angebracht, auf dem Gegenstände transportiert werden konnten. Der Jeep wurde z.B. auch von Sanitätseinheiten genutzt. Das Foto zeigt eine solche Nutzung.

Und der Jeep auf den Foto sieht dem Jeep in Köln sehr ähnlich, das aufgesetzte Gestell ist eindeutig zu sehen. Der Jeep hat im Frontbereich der Stoßstange leichtere Beschädigungen, diese stellen aber vermutlich eher eine normale Abnutzung dar. Die Jeeps hatten sicherlich reichlich zu tun und hatten auch durch unwegsames Gelände bzw. Trümmerlandschaften zu fahren.
Jedenfalls sehe ich bei dieser Aufnahme auch keinen Beweis einer vorherigen aussergewöhnlichen Gefechtssituation mit Beschuß auch dieses Jeeps . Vermutlich stand der Jeep zu diesem Zeitpunkt, als der Fotograf dort war, einfach da ... Vielleicht wurde die verwundete Esser sogar mit diesem Jeep anschließend noch wegtransportiert ?


Bildquelle: John Florea - LIFE Photo Collection
Das andere Foto von oben noch einmal, von dieser gleichen Straßenkreuzung, nur andere Blickrichtung Richtung Innenstadt. Neben dem Jeep im Vordergrund stehen im Hintergrund rechts auch noch weitere Jeeps. Vermutlich waren die Jeeps dort also alle einfach nur vorübergehend abgestellt...

Quintessenz - Die eidesstattliche Erklärung der angeblichen Zeugin - warum ?

Nach alledem bin ich nicht davon überzeugt, dass Katharina Esser tatsächlich wie von Rheindorf behauptet im Rahmen einer plötzlichen Gefechtssituation von einem Panzer überrollt worden ist. Es ist und bleibt eine reine Spekulation, die ich aber durch die von Rheindorf heran gezogenen, vermeintlichen "Beweismittel", die für mich ins Leere laufen, nicht im Geringsten als Bewiesen betrachten würde.
Es gibt keinerlei eindeutige Hinweise darauf, dass nach 12 Uhr mittags noch deutsche Soldaten auf einen Panzer in der Christophstraße geschossen hätten und somit zu einer solchen Panik geführt hätten, dass Katharina Esser von einem US-Panzer überfahren worden wäre.

Nun, warum sagte die Zeugin vor der Polizei so aus, wie sie es tat ?
Möglicherweise hat die Zeugin seinerzeit garnicht genauer gesehen, wie alles im Detail abgelaufen ist, insbesondere, ob Katharina Esser überfahren worden ist. Möglicherweise hat sie nur am Rande etwas mitbekommen und daraus dann Schlußfolgerungen für einen vermeintlichen Gesamtablauf gezogen. Möglicherweise hat sie z.B. die Körperreste von Personen auf der Straße gesehen, zu denen ja schon Rheindorf die Frage gestellt hatte, ob sie von der Esser stammen würden. Und dann hat die Zeugin einfach vermutet, dass, nachdem viele Panzer dieses Straßenstück passiert hatten, dass einer der Panzer Katharina Esser überfahren haben könnte. Als sie dort nachschaute, war die Esser vermutlich schon abtransportiert und lagen die Leichenteile herum, die man im Film schon sehen konnte. Es ist ja auch nicht ausgeschlossen, dass die Körperreste, die ja schon nach dem weiter oben Festgestellten vor dem Beschuss des Esser Autos dort auf der Straße gelegen haben (also von Toten aus dem anderen Auto stammten) beim späteren Vorbeifahren der Panzer tatsächlich noch einmal von einem oder mehreren US-Panzern überrollt worden sind.
Der Hinweis auf die Stiefel in der eidesstattlichen Erklärung könnte dann auch klarer werden. Denn zwischen bzw. an den zerrissenen Körperteilen auf der Straße sind auch Stiefel zu sehen. Der besondere Hinweis auf Stiefel in der eidesstattlichen Erklärung läßt für mich schon den Schluss zu, dass die Zeugin es vielleicht nur an diesen Stiefeln festgemacht hat, dass sie dachte, die Esser sei dort auf der Straße von einem Panzer überfahren worden.

Bildquelle: John Florea - LIFE Photo Collection
Auf einem Foto aus der Zeit, als Katharina Esser schon nicht mehr neben dem Auto liegt, gehen zwei Zivilistinnen über die Christophstraße. Sie betrachten die Leichenteile auf der Straße, an denen sich auch Stiefel befinden. Vielleicht handelt es sich hier bei einer der Frauen ja sogar zufällig um die betreffende Zeugin, die später die eidesstattliche Erklärung abgibt ?

Zerrissene Leichenteile mit Stiefeln lagen auf der Straße herum, hier die Leichenteile, die sich die zwei Frauen im letzten Bild angeschaut hatten. Das mag die Zeugin möglicherweise dann auch zu der gezielten Erklärung veranlaßt haben, besonders die Stiefel zu erwähnen, die Katharina Esser dann angeblich getragen haben soll. Vermutlich wurde die Zeugin befragt, woran sie es denn festmachen würde, dass dort gefundene Körperreste von der Esser stammen würden. Und vermutlich lag es für die Zeugin dann einfach am Nächsten, zu erwähnen, dass die Esser Stiefel getragen habe, um den Tod aus ihrer Sicht eindeutig beweisen zu können. Oder die das Verschwinden der Esser ermittelnde Polizei hatte vielleicht sogar ausdrücklich danach geforscht bzw. gefragt, ob die Leichenteile mit den Stiefeln von der Esser gewesen seien (so wie Rheindorf noch in der ersten Version seiner Filmdokumentation auch noch danach gefragt hatte, ob die Leichenteile von der Esser sein konnten).

Wie die Fotos der am Boden liegenden Esser zeigen, lag sie sehr dicht an ihrem Auto, die Beine/Füße lagen vermutlich sogar unter dem Auto. Es erscheint schon nicht nachvollziehbar, dass die Zeugin dann von irgendeiner entfernten Position überhaupt erkennen konnte, was die Esser an diesem Tag getragen hat, insbesondere das Schuhwerk:

Füße / Schuhwerk sind sogar auf den näheren Filmbildern nicht erkennbar ...

Und die Schilderung bei der Polizei erscheint auch so leidenschaftslos, dass sich aus meiner Sicht daraus auch nicht ergibt, dass dieses Überfahren aus einer Gefahrensituation wie einen plötzlichen Beschuss durch eine Panzerfaust hätte passiert sein können. Laut Zeugin fiel die Esser aus dem Wagen und wurde von "dem Panzer" überrollt ...

Schlussüberlegung

Aus meiner Sicht bleibt es daher weiterhin unklar, was mit Katherina Esser an dem Tag nach dem Abschluß der Filmaufnahmen noch passiert ist. Möglicherweise wurde sie also doch noch lebend abtransportiert und ist dann erst später in einem Hospital als unbekannte Person gestorben.

Oder sie verstarb noch ohne weitere Gefechts-Dramatik dort an Ort und Stelle, nachdem ihre Verletzungen nun schon längere Zeit (zwischen 1 und 2 Stunden, wo sie dort mindestens lag) nicht ernsthaft behandelt worden waren. Möglicherweise kam es im Rahmen der längeren Nichtbehandlung zu einem Schock, bei dem die lebenswichtigen Organe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wurden und es zum kompletten Zusammenbruch des Kreislaufs mit Multiorganversagen kam. Dann wäre Esser also als Leiche vom Ort weggebracht worden und ist aus diesem Grunde auch nicht mehr in einem Hospital eingeliefert worden...

Ich persönlich vermute, dass Katharina Esser noch lebend in ein Lazarett oder Hospital gebracht worden ist oder zumindest noch dorthin unterwegs war. Sollte sie vor Ort verstorben sein, wäre es sehr fraglich gewesen, dass sich angesichts der gesamten Umstände des Tages noch jemand um ihre Leiche gekümmert hätte. Es war der 2. Tag des Einmarsches der US Truppen in Köln, Kampfhandlungen in der ganzen Stadt, die Sanitäter hatten sicherlich auch ansonsten reichlich zu tun und haben bestimmt nicht auch noch Leichen durch die Gegend fahren können, wo ausreichend Verletzte zu versorgen waren. Zumindest wurden vermutlich nicht die Leichen von deutschen Zivilisten noch transportiert. Nach den damaligen Berichten lagen Leichen auch noch mehrere Tage nach dem 6. März überall in Köln verteilt herum.
Essers Leiche hätte auf den späteren Fotos von der Christophstraße ansonsten also noch zu sehen sein müssen. Das spricht für einen Abtransport noch in lebendem Zustand. Dass sie doch noch verstorben ist, steht auch ausser Zweifel, denn sie ist niemals wieder aufgetaucht.
Möglicherweise ist sie auf dem Transportweg verstorben oder in der medizinischen Einrichtung, ohne, dass man dies so registriert hat, dass man es nachher noch nachverfolgen konnte bzw. man sie noch identifizieren konnte.

 

Weblink youtube
Wer sich selber ein Bild von der Darstellung des Themas Katharina Esser in der Filmdokumentation von Rheindorf machen möchte, kann hier das aus dem Gesamtfilm ausgegliederte Special zum Thema Katharina Esser auf youtube anschauen: Köln 1945 - Nahaufnahmen: Eine junge Frau zwischen den Fronten

Weiteres zum Thema Katherina Esser

Spearhead coverAdam Makos, New York Times-Bestsellerautor von A Higher Call, hat ein Buch über den Schützen des Pershings, Clarence Smoyer und seine Erlebnisse während des 2. Weltkriegs geschrieben. Im Rahmen der Recherchen durfte ich Adam und Clarence bei einem Besuch der Originalschauplätze in Köln begleiten. Dort traf er auch den Schützen eines deutschen Panzers, Gustav Schäfer, dem er während des Vormarschs in Köln gegenüber gestanden hatte. Das Buch wird im kommenden Februar erscheinen. Der Bild-Link führt zur Webseite von Amazon, wo das Buch vorbestellt werden kann. Das Buch beschäftigt sich auch mit den Geschehnissen rund um Katharina Esser. Clarence schreibt darin, dass ihm die Erinnerungen an das Schicksal von Katharina Esser viele schlaflose Nächte und Albträume beschert hat. Bis heute kann er die Geschehnisse dort vom 6. März 1945 nicht mehr vergessen...

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